Unterwegs im Alor Archipel


Alor ArchipelAls wir über marode Holzplanken der Kaianlage an Bord der Fähre steigen, sind die schattigen Plätze unter der Kommandobrücke bereits belegt. Kinder sind wie immer am kontaktfreudigsten, Charles überbrückt Sprachbarrieren mit ein paar Kartentricks. Eine geplatzte Dose Rasierschaum im Rucksack sorgt für neugieriges Interesse, als er wenig später die Schaumflocken mühsam herauskratzt. Ein paar der Jugendlichen versuchen in der drangvollen Enge ihre englischen Sprachkenntnisse – Konversation und Zigaretten, die klassischen Angebote auf Reisen. Einer der Jungs zeigt fragend auf Charles´ Sandalen:  „America?“ Er wartet gar nicht erst auf eine Antwort, zeigt gleich stolz auf sein eigenes Schuhwerk: „Italia!“

Die Meute wiehert. An der Reling erklärt man uns in Kürze den wichtigsten indonesischen Wortschatz, ein Sprachkurs der anderen Art. Der Junge mit den langen Fingernägeln und dem lauwarmen Grinsen mischt sich in unser Gespräch, zeigt stolz sein Handy mit den schlüpfrigen Downloads und wird empört von den Mädchen abgespeist. „Gila“ – verrückt, sagt Charles, bekreuzigt seine Stirn wie bei den Einheimischen beobachtet und zeigt auf den Verwirrten. Die Runde wiehert erneut.

Später sitzen wir im Schatten der wackligen Laderampe neben Fischgräten und spielen Domino. Auf dem Weg zur versifften Bordtoilette müssen wir jedes Mal über Menschenbündel steigen, es könnte auch die „Cap Anamur“ sein. Als es schließlich zu dämmern beginnt, werden die halbwüchsigen Mädchen mutig und schicken ihr jüngstes Mitglied, eine Siebenjährige, vor. „Hello Mister“, kräht sie bestimmt nach den Vorgaben ihres Clubs, „please… Signature!“ Das Autogramm rutscht über das Blatt Papier, so schnell wird man in Ostindonesien zum Filmstar. Ermutigt durch den Erfolg rutschen nun auch die älteren Mädchen rüber und fragen bohrend in gebrochenem Englisch nach Herkunft, Beruf und Girlfriend. Der unrasierte Fischer neben uns grinst verächtlich und deutet auf die Gruppe Teenager: „Ayam“ – Hühner. Mehr nicht.

Als wir in den Hafen von Lewoleba einlaufen, ist es bereits kurz vor Mitternacht und über vierzehn Stunden Bootsfahrt liegen hinter uns. Die Englischlehrerin erscheint mit ihren Schützlingen, um sich von uns zu verabschieden: „What a pity, that you can´t stay with us, you are handsome guys…!“ Sie kichert, drückt uns die Hand und verschwindet mit ihren winkenden Schulmädchen im Dunkel der feuchten Tropennacht. Wir stehen kurz alleine im Gedränge, dann schieben uns die Menschenmassen über den Kai in Richtung Lastwagen und Ojeks. Irgendjemand fährt uns für zwei US Dollar in die Stadt, die wir noch nicht kennen.

Gut zu wissen:

Anreise: Mit dem Flugzeug von Bali (Denpasar) nach Timor (Kupang), von dort fliegt die Gesellschaft Merpati regelmäßig nach Alor. Der unberührte Archipel in Ostindonesien gilt als eines der besten Tauchreviere der Welt.

© Auszug aus „Bali & Nusa Tenggara: 100% Adrenalin„, cybertours-x Verlag, 1. Auflage 08/2005


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Kategorien:Asien

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