Unter Segeln nach Mittelamerika


Im Jahr 1907 startete der Schriftsteller und Abenteurer Jack London eine Weltumsegelung mit der selbst gebauten Yacht „Snark“ und schrieb über seine vorherigen Rekrutierungsversuche einer geeigneten Bootsmannschaft: „Als die beabsichtigte Reise der `Snark´ bekannt gemacht wurde, erwies sich, dass es massenhaft junge Männer mit einem `Hang zum Vagabundenleben´gab und junge Mädchen desgleichen – ganz zu schweigen von den älteren Männern und Frauen – die sich freiwillig für die Reise anboten… Jede Post brachte eine Ladung Briefe von Bewerbern, die in den `durch Menschen erdrückenden Städten´ erstickten… Eines Tages, wenn ich einen Haufen Geld verdient habe, werde ich ein großes Schiff bauen, auf dem Platz für tausende Freiwillige ist. Sie sollen arbeiten, das Schiff um die Welt steuern oder zuhause bleiben. Ich glaube, sie werden das Schiff um die Welt führen, denn ich weiß, dass das Abenteuer nicht tot ist. Ich weiß, dass das Abenteuer nicht tot ist, weil ich einen langen und intimen Briefwechsel mit dem Abenteuer geführt habe.“

Daran hat sich wohl bis heute wenig geändert. Der nahe Panamakanal sorgt für einen steten Nachschub an Weltumseglern, die in den Buchten von Costa Rica Schutz vor Wetter und Piraten suchen – die Küsten von Panama und Guatemala haben einen denkbar schlechten Ruf. Der Naturhafen von Golfito zählt zu den beliebtesten Ankerplätzen auf dem Weg in die Südsee. In der Marina Samoa del Sur finden Skipper und Crew alle Annehmlichkeiten des Landlebens und gut sortierte Ersatzteillager. Mit Glück findet hier auch der glanzäugige Tramp seinen „Lift“ nach Tahiti, aber ein wochenlanges gemeinsames Segeln auf engstem Raume birgt immer Überraschungen; drum prüfe, wer sich ewig bindet. In Panama ist es üblich, dass Yachties in Hostels und Marinas freie Kojen für die Überfahrt nach Kolumbien ausschreiben. So ein Törn, in der Regel 3 bis 4 Tage, ist der Überlandreise durch das südliche Grenzland Darién Gap vorzuziehen. Dort regiert die Coca-Mafia, blüht der Schmuggel, werden Touristen immer wieder von Guerilla oder Paramilitär entführt.

Das touristische Chartergeschäft wird vorwiegend in Puntarenas, der morbiden Hafenstadt an der Pazifikküste, betrieben. Auf dem Programm stehen Ausfahrten zur Isla Tortuga im Golf von Nicoya; es sind Walhai, Mantarochen und Delfine zu bestaunen. Manche Anbieter organisieren noch ein gemeinsames Picknick am Strand  der Isla Tortuga, andere bieten Schnorchelmöglichkeiten oder Seekajaks für ausgiebige Erkundungsfahrten. Eine 4- bis 5-stündige Tour kostet in der Regel etwa 65 US Dollar, wobei die einzelnen Bausteine gut zu prüfen sind.

In Golfito, Puntarenas, Jacó und Flamingo finden sich heute die wichtigsten Einrichtungen und Yachthäfen. Der Tourismus boomt, die Regierung will in den nächsten Jahren insgesamt 15 Marinas an der Pazifikküste errichten. Viele Skipper aus den Staaten suchen nach neuen, attraktiven Ankerplätzen, sind die Molen Mexikos und Miamis doch bereits überlaufen.

Gut zu wissen:

Tagesausfahrten, www.waytogocostarica.com

Schnorchelfahrten, www.sailbluedolphin.com

Mitsegelbörse, www.crewfinders.com

Verkauf von Yachten, www.CenAmYachts.com

© Auszug aus „Costa Rica: Der Strandführer“ von Ralf Falbe, 1. Auflage 01/2005

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Kategorien:Lateinamerika

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