Andamanensee: Sea Gypsies


Chao Ley – Menschen des Meeres. Die Moken sind das größte in einer Reihe von südostasiatischen Völkern, die als Seenomaden auf Booten in der östlichen Andamanensee und im südchinesischen Meer leben. Sie werden oft als Sea Gypsies bezeichnet. Auch der thailändische Name Chao Ley, Menschen des Meeres, ist weit verbreitet. Ethnologen vermuten, dass die Vorfahren der Moken Malaien waren, die etwa 2500 vor Chr. aus dem südchinesischen Raum kommend, das Sulu-Archipel der Philippinen, Borneo, die malaiische Halbinsel und die Inseln der Andamanensee besiedelten.

Mit der Zuwanderung weiterer Völker im südostasiatischen Raum, der Entstehung verschiedener Reiche, der Periode des Kolonialismus und der Bildung der heutigen Staaten erfuhren die Seenomaden immer wieder Einschränkungen ihrer nomadischen Lebensweise. Der Siedlungsraum der Moken konzentrierte sich schließlich in der östlichen Andamanensee, vom heutigen Myanmar im Norden, über Thailand und Malaysia bis zu den indonesischen Inseln im Süden. Nur wenige Moken besitzen allerdings Pässe der Länder in denen sie leben, die Mehrzahl ist staatenlos. Zwar leben viele Moken auch heute noch halbnomadisch auf ihren Booten und den Inseln der Andamanensee, ihre Bewegungsfreiraum ist allerdings stark eingeschränkt. In Thailand leben Moken heute auf den Surin Inseln, Koh Lanta, Koh Phi Phi und Phuket.

Eine zentrale Rolle im Leben der Moken spielen ihre Boote, Kabang genannt, inklusive Küche, Schlafplatz und Wohnraum. In Gruppen von sechs bis zehn Booten, von denen jedes eine Familie beherbergt, ziehen sie von Insel zu Insel. Etwa acht Monate des Jahres verbringen die Seenomaden auf dem Meer. Nur während der Zeit des Monsuns, der zwischen Juni und November auftritt, besiedeln sie die Küsten von Inseln. Es werden Boote repariert oder neue gebaut. Der Bootsbau zählt wie das Netz- und Speerfischen, Fischfallen stellen und das Tauchen nach Muscheln, Perlen, Langusten, Seegurken und anderen Meeresfrüchten traditionell zu den Aufgaben der Männer. Die Frauen sorgen für die Kinder und die Siedlungen an den Küsten. Lebensgrundlage ist vor allem das Meer. Daneben nutzen sie auch eine Vielzahl von Pflanzen als Lebensmittel, Medizin und als Baumaterial zur Herstellung von Haushaltsgegenständen, Musikinstrumenten oder Werkzeugen. Fische und Meeresfrüchte werden für den Eigenbedarf gewonnen, Überschüsse auf Märkten verkauft, um Reis, Öl, Alltagsgegenstände, Netze und Benzin für die zunehmende Verwendung der Bootsmotoren zu kaufen. Daneben gewinnen auch Einkünfte aus dem Tourismus zunehmend an Bedeutung.

Die Glaubenswelt der Moken ist animistisch, bestimmt vom Glauben an Naturgeister und die Geister der Ahnen. Die Schamanen stehen im Kontakt mit der Geisterwelt, treffen Weissagungen und sind vor allem auch die Heiler der Gemeinschaft. Das wichtigste Fest des Jahres ist das Ne-en Lobong, in dessen Zentrum die Lobong stehen, Pfähle, die die Geister der Ahnen beherbergen. Verwandte und Freunde kommen aus weit entfernten Gebieten zusammen, und für drei Tage und Nächte ruht die Arbeit. Es wird gefastet und gesungen und Tänzer versetzen sich in Trance. Zum Abschluss wird manchmal ein kleines Boot, das Lajang, aufs Meer gebracht, das Unglück, Krankheit und böse Kräfte davontragen soll.

Ein existentielles Problem für die Moken ist der allmähliche Entzug ihrer Lebensgrundlage durch die Konkurrenz der großen Fischereiflotten. Trawler mit Schleppnetzen verlegen ihre Fanggebiete von der Hochsee immer näher an die Küsten, den traditionellen Fanggründen der Seenomaden, und machen es diesen immer schwerer, ergiebige Fänge einzubringen. Problematisch sind auch, wie überall wo staatliche Autoritäten die traditionelle Lebensweise indigener Völker zu reglementieren versuchen, die Lebensumstände jener, die dem Druck nachgaben und sesshaft wurden. Der Verlust der traditionellen Lebensweise geht einher mit dem Verlust der eigenen Kultur und der allmählichen Assimilation an die Mehrheitsvölker der Region. Versuche, die Kinder der Moken in das staatliche Schulsystem zu integrieren, schlugen bisher allesamt fehl. Die Kinder ziehen es vor, mit den Erwachsenen zum Fischen aufs Meer zu fahren.

Ein spezielles Problem ist der Umgang skrupelloser Geschäftsleute mit den Seezigeunern, die Touristen in Bussen oder auf Ausflugsbooten zu den Dörfern der Moken bringen, als wären es Menschenzoos. Seit 1997 existiert das Andaman Pilot Projekt der UNESCO. Es soll den Moken helfen, ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren und auf eine Weise an die veränderten Rahmenbedingungen (staatliche Reglemtierungen, Tourismus etc.) anzupassen, die ihre Kultur und ihr Wissen um das Meer und die örtliche Natur erhält.

Das Erdbeben im Indischen Ozean im Dezember 2004 zerstörte eine Reihe von Siedlungen der Moken auf den Inseln der Andamansee. Dank dem höchsten Rat der buddhistischen Religionsgemeinschaft in Thailand, der Unterstützung durch die UNESCO und privater Spenden, konnten die auf das Festland geflüchteten Moken bereits im Januar 2005 wieder auf die Inseln zurückkehren und mit dem notwendigsten versorgt werden, Werkzeuge vor allem, um ihre zerstörten Boote zu ersetzen.

GEPOSTET VON IGOR TIELMAN 05/09

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Kategorien:Asien

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