Arembepe – Bahia


Arembepe – Auf den Spuren von Janis Joplin und Jimi Hendrix

Der Lack ist ab. Als wir den Bus verlassen und nach dem Weg fragen, erzählt uns die mütterliche Brasilianerin mehr als wir erfahren möchten. Aufgepasst: In dem beschaulichen Ort Arembepe – nördlich der Millionenstadt Salvador da Bahia an der legendären Estrada do Coco gelegen – sei mit Überfällen und Gewalttaten zu rechnen, ja es gab angeblich bereits einige Tote.

In den 60er Jahren galt der verschlafene Badeort als angesagter Treffpunkt der globalen Hippie-Gesellschaft. Hatte Brigitte Bardot das Fischerdorf Buzíos in der Nähe von Rio de Janeiro durch ihre Anwesenheit geadelt, so wurde Arembepe durch Besuche berühmter Rockstars und Musiker wie Janis Joplin, Mick Jagger oder Jimi Hendrix über die Grenzen von Brasilien hinaus populär.

Noch heute existiert hier inmitten von Sanddünen – etwa zwei Kilometer außerhalb des Ortes gelegen – eine kleine, unentwegte Hippie-Kommune (Aldeia Hippie), die in einfachen Hütten ohne Strom und fließenden Wasser ein selbstbestimmtes Leben sucht. Man fertigt Schmuck für die Wochenendbesucher, raucht Marihuana und sucht nach höheren Idealen als die bürgerliche Gesellschaft anzubieten vermag. Am Lagerfeuer erklingt die Gitarre, dazu wird getrommelt und barfuss im Sand getanzt. Eine einfache Herberge bietet sinnsuchenden Besuchern schlichten Komfort, auch ein Restaurant steht zur Verfügung. Und nun diese Kehrtwende, diese Kriminalität in dem benachbarten Fischerdorf?

Es muss sich in den letzten 40 Jahren an der Küste herumgesprochen haben, dass einige der ehemaligen Hippies zu Geld gekommen sind und heute auch neugierige Europäer oder wohlhabende Südbrasilianer den legendären Ort aufsuchen. So strömen gerade an den Wochenenden finstere Gestalten aus dem Hinterland ein, trinken ihr Bier in den vielen Barracas am Strand und halten Ausschau nach leichtsinnigen Besuchern mit einem verdächtigen Rucksack über den Schultern. Auch die Dorfmeile präsentiert sich verknittert und ungewaschen. Rechts vom Zentrum liegen einige Hotels und Herbergen, die durchweg ein ungewöhnlich hohes Preisniveau verzeichnen und die Außenmauern mit Glasscherben sichern. Selbst in dem benachbarten, touristisch erschlossenen  Badeort Praia do Forte lassen sich preiswertere und bei weitem komfortablere Unterkünfte auftreiben.

Neue Anreize für Besucher sollen nun den Aufbruch in ein modernes Zeitalter beschwören. Die „Jogos de Praia“, die sportlichen Wettkämpfe zu Wasser und am Strand, werden regelmäßig am Praia Piruí in Arembepe veranstaltet. Studenten messen sich hier auf dem Surfbrett, beim Body-Boarding, mit dem Strandfußball und beim Baggern mit dem Beach-Volleyball. Das Event zieht Massen aus dem nördlichen Bahia an und spült Geld in die ausgetrockneten Kassen der Herbergen und Restaurants.

Der Tag hat sich mit ein paar Wolken geschmückt und als die Dünung ihren Höhepunkt erreicht hat, baut sich die erste riesige Wasserwand auf und schiebt Boards und Knochen über die Riffe. Blaue Flecken gehören dazu und erzählen von den Risiken am Südstrand Arembepes. Es gibt strahlende Gewinner und traurige Verlierer – eine maritime Telenovela der anderen Art.

Der Brückenschlag scheint gelungen, wird hier doch ein neues Kapitel geschrieben und der vergangene Glanz Arembepes in ein zeitgemäßes Gewand getaucht. Für alle anderen gibt es sie noch – die kleine Kommune „Aldeia Hippie“ vor den Toren des ehemaligen Fischerdorfes.

Anreise: Arembepe liegt rund 25 Kilometer nördlich vom Flughafen Salvador da Bahia an der Linha Verde. Vom Flughafen und vom städtischen Busbahnhof in Salvador, dem Rodoviária, fahren stündlich Busse die Küste hinauf und halten auch in Höhe Arembepe an der mautpflichtigen Bundesstraße. Von dort etwa 20 Minuten Fußweg bis in das Zentrum des Badeortes oder mit dem Bus weiter.

GEPOSTET VON RALF FALBE 10/2009

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Kategorien:Lateinamerika

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