Costa do Dendé – Bahia


Costa do Dendé – Bahias unbekannte Sonnenküste

Es herrscht Gedrängel im Terminal Nautico in Salvador da Bahia. Rucksacktouristen und offensichtliche Gringos werden sogleich umlagert und von Agenten der Reederei mit Flyern bedrängt. Billig, schnell, sicher – mit dem Speedboat nach Morro de São Paulo, dem angeblich schönsten Strand von ganz Bahia. Für nur 70 Real pro Nase. Immerhin schon wieder 10 Real mehr als im letzten Jahr. Unsichere Blicke  – einige suchen die vertraute Gemeinschaft der globalen Travellerszene.

Was in Reiseführern, Magazinen und Fachzeitschriften empfohlen wird, das ist die eine Wahrheit – die andere muss man selber suchen. Die unbekannte Schwester von Morro heißt Boipeba und ist unter Europäern noch eher unbekannt, obwohl der Tourismus hier seit Jahren stetig zunimmt. Den Schwerpunkt der Besucher bilden daher wohlhabende Südbrasilianer aus Rio de Janeiro, São Paulo oder auch Belo Horizonte. Dreh- und Angelpunkt der Anreise ist das schmuddelige Provinzstädtchen Valença, wo am zentralen Terminal Hipodromo die Boote nach Boipeba ablegen. Nach etwa einer Stunde Fahrt durch Mangroven und Flusslandschaften erreicht man den Ort Vilha Boipeba. Das ehemalige Fischerdorf bietet einen intakten Kern mit einigen Pousadas, Restaurants und Supermärkten. Am ersten Strand, dem Praia Boca da Barra, eine Tauchbasis mit Kanuverleih und mehrere Barracas, wo Touristen von Skippern und Veranstaltern umlagert werden: Attraktion ist ein weit verzweigtes Korallenbecken vor der Küste, die Piscinas Naturais, wo selbst Kinder und Nichtschwimmer sicher schnorcheln können.

Harte Verhandlungen sind an der Tagesordnung. Für einen alten Fischerkahn mit Dieselmotor zahlt man für die Passage rund 25 Real pro Nase. Nach etwa 90 Minuten erreicht die Barke die vorgelagerten Riffe, die bereits von zahlreichen Motorbooten von Morro aus heimgesucht werden. Selbst eine schwimmende Bar fehlt hier nicht: Täglich ankert im Riff ein findiger Fischer, der kurzerhand ein paar runde Tische im Schlepp treiben lässt, an denen sich durstige Schnorchler versammeln. Das lauwarme Meerwasser im Munde wird entschlossen mit Caipirinha und eiskaltem Bier weggespült. Nicht ganz sportlich, aber durchaus verlockend. Für einen Real kann man auch Fischfutter erstehen und die bunten Schwärme der Rifffische erfreuen. Das Wasser kocht und manch eine Gräte hat hier bereits im Fressrausch am Wohltäter genagt, ja es floss schon Menschenblut. Wenn sich die Tagessonne schließlich wendet, dann lichten die Ausflugsboote ihre Anker und steuern den abgelegenen Praia de Moreré an, wo sich einfache Strandrestaurants und teure Öko-Lodges angesiedelt haben. Unter Palmen sinniert man in der Hängematte über das letzte Paradies auf Erden, die Gedankengänge untermalt vom Gesang des Windes. Andere suchen Muscheln am endlosen Strand und bestaunen handgefertigte Einbäume, die bei Ebbe im tiefen Schlamm ruhen. Dann das Zeichen zum Aufbruch und der Skipper wirft den alten Schiffsdiesel an, der schwerfällig grunzt und schwarze Rußwolken ausstößt. Der Kahn stampft und schlingert in der Dünung, während die Crew den letzten Schluck Cachaça kippt.

Weiter südlich liegt die Peninsula de Maraú, wo sich ebenfalls Korallenriffe, Wasserfälle, Süßwasserseen und dichter Urwald finden. Der kleine Badeort Taipu de Fora ist Anlaufstelle für Ruhesuchende und Wassersportler – hier stößt man inmitten der Korallenformationen ebenso auf natürliche Schwimmbecken, die Piscinas Naturais. Wenn sich die Robinson Crusoes etwas Abwechslung gönnen möchten, dann ist Barra Grande eine Option, wo sich die beste touristische Infrastruktur der gesamten Halbinsel entwickelt hat. Die umliegenden Strände Campinhos, Três Coqueiros, Taipús und Saquaíra sind leicht zu erreichen und vor der Küste sind unzählige kleine Inseln zu entdecken, die mit dem Einbaum oder Ausflugsboot angesteuert werden können. In den Strandbars serviert man fangfrischen Hummer zur Caipirinha, dazu heiße Samba-Rhythmen.

Es gibt sie noch in Bahia: Die unbekannten Fischerdörfer und entschleunigten Naturschönheiten zwischen der Millionen-Metropole Salvador da Bahia und Itacaré, der boomenden Surf-City bei Ilheus.

Gut zu wissen:

Pousada Caminho de Pedras, Vilha Boipeba, Tel. : (75) 3653 6168, www.boipebaturismo.com.br, saubere Doppelzimmer mit Frühstück ab 40 Real. Die Betreiber Walter und Leticia führen auch ein angeschlossenes Restaurant und sind mit Chris vom Café Alquimia in Salvador (Pelourinho) befreundet.

Pousada Taipu de Fora, Peninsula de Maraú, Taipu de Fora, Tel. : (73) 3258 6278, www.taipudefora.com.br, perfekte Lage für Schnorchelgänge am Hausriff – den Piscinas Naturais.

Hotel e Pousada Tetiaroa, Peninsula de Maraú, Barra Grande, Tel.: (73) 3275 8416, www.hoteltetiaroa.com, mit Swimming-Pool und Tauchausfahrten.

Restaurant Panela de Barra, Vilha Boipeba, Familienbetrieb mit herzhafter Küche zu fairen Preisen: Tellergerichte für 2 Personen ab 18 Real.

Tauchschule Ocean Scuba, Vilha Boipeba, Tel.: (75) 3653 6125, www.oceanscuba.com.br, Ausbildung und Tauchausfahrten. Die Crew ist englischsprachig und verleiht auch Kajaks für 12 Real die Stunde.

Anreise von Salvador da Bahia mit dem Boot nach Mar Grande (Itaparica), von dort mit dem Bus weiter nach Valença (140 km) , wo im Zentrum die Boote nach Boipeba ablegen. Die einfache Fahrt mit dem Schnellboot nach Boipeba kostet rund 35 Real pro Person, Fahrzeit etwa 60 Minuten. Insgesamt ca. 4 Stunden von Salvador nach Boipeba. Weiter zur Halbinsel von Maraú via Camamu und Maraú entlang der BR 030 nach Barra Grande oder Taipú de Fora. Info: www.bahia.com.br.

GEPOSTET VON RALF FALBE 11/2009

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Kategorien:Lateinamerika

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