Kambodscha – Boomtown Sihanoukville


„Buy egg, Mister!“ Kleine, braune Hände recken sich den schwitzenden Westlern entgegen und halten zerdrückte Pappkartons mit Eiern durch die Busfenster. Und das bei einer Temperatur von gefühlten 40 Grad Celsius. Ein Verfallsdatum ist auf den Eierschalen jedenfalls nicht auszumachen.

Der Bus aus Phnom Penh, der hier auf dem Weg nach Sihanoukville regelmäßig Halt macht, ist zur festen Einnahmequelle für viele Dorfkinder aus der Umgebung geworden. Immer mehr Farang (Fremde), wie die hellhäutigen Touristen mit der langen Nase genannt werden, reisen nach Kambodscha, angezogen von der legendären Tempelanlage Angkor Wat, dem lässigen Charme Phnom Penhs und den einladenden Stränden Sihanoukvilles im Süden des Landes. Nicht wenige Westler aus dem nahen Thailand haben sich dort niedergelassen und dem ehemals wichtigsten Kriegshafen mit seiner reizvollen Umgebung eine beeindruckende Infrastruktur beschert. Am Wochenende drängeln sich dort ebenfalls etliche Khmer aus dem nahen Phnom Penh, die der drückenden Hitze der Großstadt entrinnen wollen. Neue Hotelanlagen, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, bunte Strandrestaurants, russische Bars und schmuddelige Stundenhotels in den unbeleuchteten Seitenstraßen buhlen um die Gunst der stetig zunehmenden Besucher.

Und man trifft auf brandneue Tauchschulen, sind vor der Küste doch jede Menge Riffe und versenktes Kriegsgerät zu betauchen. Einheimische Fischer – einst Pioniere hier – haben zuerst von den vielen Schiffswracks und Fischschwärmen Notiz genommen. Heute organisieren Touranbieter und Tauchschulen Schnorchelfahrten und ganztägige Exkursionen zu den vielen Inseln im Golf von Thailand.

Die Sichtweite im nahen Küstenbereich ist häufig getrübt und abhängig von der Regenzeit. Empfehlenswerter sind daher abgelegenere Spots wie Condor Reef oder Koh Tas, wo Schnorchler auf bunte Korallengärten und imposante Riffformationen treffen. Tagesausflüge führen häufig zu Koh Rong Samlem, einer Insel, die in rund zwei Stunden mit dem Tauchboot erreicht werden kann. Am nördlichen Ende des Eilandes liegen einige geschützte Strände, die mit einem unberührten Ökosystem aufwarten können. Sowohl Gerätetaucher als auch Schnorchler finden dort eine einzigartige Unterwasserwelt vor.

Die Insel Koh Thmei liegt im Ream Nationalpark und wird auch wegen der schönen Strände häufig von Ausflugsbooten angefahren. Mit Glück können Besucher an guten Tagen auch Delfine sichten, die in der Bugwelle der Boote surfen. Die besten Tauchreviere aber finden sich rund fünf bis acht Bootsstunden von Sihanoukville entfernt, so dass eine Übernachtung vor Ort erforderlich ist.

Südwestlich vom Festland liegen die verheißungsvollen Inseln Koh Prins, Koh Tang und Koh Poulo Wai. Die Sichtweiten hier sind weitaus überzeugender als im nahen Küstengewässer und die verzweigten Riffe erlauben Tauchtiefen zwischen 15 und 40 Metern. Mehrere Schiffswracks vor Koh Prins zeugen von dem verhängnisvollen  Abzug der amerikanischen Streitkräfte im Mai 1975, als Einheiten der Roten Khmer die Flotte beschossen. Koh Tang ist aber auch bekannt für Begegnungen mit riesigen Manta-Rochen, deren Flossen Spannweiten von bis zu sechs Metern erreichen können. Diese friedlichen Giganten schweben scheinbar schwerelos in der Strömung und filtern Plankton aus dem nährstoffreichen Blauwasser. Beeindruckende Momente, die haften bleiben.

Unverbesserliche Landratten finden in Sihanoukville ebenfalls ein breites Angebot an Unterhaltung und Ausflugsmöglichkeiten: Vollmond-Partys wie in Thailand, Restaurants mit erstklassigen Fischgerichten, moderne Internet-Cafés, glitzernde Diskotheken und pulsierende Nachtmärkte runden das Programm ab.

In der weiteren Umgebung Sihanoukvilles ist die Hochebene von Bokor zu erkunden, die einst mit prächtigen Kolonialbauten, einem Spielcasino und beeindruckendem Panorama die Mächtigen des Landes in ihren Bann zog. Diplomaten und König Sihanouk verkehrten in den mondänen Salons, die später im Krieg fast vollständig zerstört wurden. Die Steinzeit-Kommunisten der Khmer Rouge hielten wenig von Glückspiel und großbürgerlichen Einflüssen des Westens. In den frühen 90er Jahren galt das Plateau noch als vermintes Rückzugsgebiet der kommunistischen Rebellen, die hin und wieder Rucksacktouristen entführten oder Reisebusse beschossen. Ende der 90er war der Spuk vorbei und es folgten abenteuerlustige Westler aus Phnom Penh, die in den spektakulären Ruinen legendäre Techno-Partys veranstalteten. Der neue Sound beendete zugleich die blutige Vergangenheit Kambodschas und beschwor den Aufbruch in ein modernes Zeitalter, geprägt vom globalen Tourismus. Heute werden Bokor-Tagesausflüge für wenige Dollar in der Küstenstadt Kampot angeboten, von Sihanoukville aus mit dem Bus in drei Stunden zu erreichen.

Gut zu wissen:

Unterkunft: Geckozy Guesthouse, Sihanoukville, Zentrum, Tel.: 012-495 825, www.geckozy-guesthouse.com, Restaurant, Garten, Chill-Lounge, französisches Management, ab 5 US Dollar.

Essen & Trinken: BarRu, Sinhanoukville, Ochheuteal Beach, Tel.: 012-388 860, Late Night Bar, Unterkunft, Billard, Restaurant, Videos, holländisches Management, viele Rucksacktouristen.

Tauchen: Scuba Nation Diving Center, Sihanoukville, Weather Station Hill, Tel.: 012-604 680, PADI-Standards, www.divecambodia.com.

Literatur: Tauch- und Schnorchelführer Südostasien, cybertours-x Vlg., 2. Auflage April 2008, mit vielen Adressen und Tauchkarten, Deutsch/Englisch, € 18,80.

Anreise: Mehrere Busse täglich von Phnom Penh nach Sihanoukville, Fahrtzeit rund vier Stunden. Täglich gegen Mittag verkehrt ein Schnellboot von Sihanoukville nach Koh Kong an der Grenze zu Thailand, so dass man an einem Tag bis nach Bangkok gelangen kann.

GEPOSTET VON RALF FALBE 11/2009

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Kategorien:Asien

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1 reply

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