Der Funke von Bahia – Rhythmus auf dem Kopfsteinpflaster


Der Karneval naht wieder mit großen Schritten und Salvador da Bahia gilt als Hochburg schwarzer Kultur in Brasilien: die Stadt hat nicht umsonst Bands wie Olodum hervorgebracht, die einst mit Michael Jackson ein legendäres Musikvideo auf dem Lago do Pelourinho aufnahmen. Der Straßenkarneval im Februar verwandelt dann die Altstadt in einen vibrierenden Kessel voller bunter Leiber, ekstatisch tanzend, halbnackt in der Hitze des brasilianischen Sommers. Die öffentlichen Proben von Olodum und anderen Bands geraten dienstags zu energetischen Darbietungen, die nicht nur Touristen aus der Ersten Welt in ihren Bann ziehen. Daneben geschmeidige Akrobaten, die den traditionellen Kampfsport Capoeira für ein paar Münzen auf dem Kopfsteinpflaster oder Strand darbieten. Die Baianos sind stolz auf ihre afrikanischen Wurzeln, die gerade in dem ehemaligen Sklaventanz ihren Ausdruck finden. Mestre Bamba alias Manuel dos Reis Machado, 1974 verstorben, gilt bis heute als bedeutendster Capoeira-Kämpfer, der die ersten Akademien begründete und nach dem Sportschulen in ganz Salvador benannt sind.

In der Drei-Millionen-Metropole an der Allerheiligenbucht blüht die musikalische Vielfalt, man lauscht den unterschiedlichen Stilrichtungen Axé, Samba, Samba-Reggae und dem Trommelwirbel der afro-brasilianischen Religion Candomblé, den fröhlichen afrikanischen Göttern gewidmet. Und neben den Plakaten von Bob Marley, Malcom X und Nelson Mandela – Idole des schwarzen Bahia – stehen die anonymen Vollblutmusiker, die hier den Straßenkindern mit selbstgebastelten Instrumenten Gemeinschaftssinn, Erfolgserlebnis und Disziplin nahebringen.

Helden, die keiner kennt. Mit dem gemeinsamem Einsatz stärken die Trainer aber auch das Selbstbewußtsein der Kinder und schaffen ihnen eine neue Tagesstruktur. Der Verein Berimbanda betreut mehrere Projekte, in denen Jugendliche Musikinstrumente aus Recyclingmaterial herstellen. Bereits im Jahr 2004 und 2006 hat Berimbanda in verschiedenen Stadtteilen von Salvador mit Jugendlichen Musikworkshops durchgeführt. Das Projekt wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und im Jahr 2009 ist der Aufbau einer festen Werkstatt in Salvador umgesetzt worden. Neben der Herstellung steht das Spielen der Instrumente im Mittelpunkt, aber auch Konzertauftritte und Verkauf sollen ökonomische Unabhängigkeit perspektivloser Jugendlicher ermöglichen. Und natürlich ist der nächste Karneval 2011 eine Feuerprobe für die talentierten Nachwuchsmusiker, die sich dann vor einem großen Publikum bewähren müssen. Ein Projekt, das Mut macht.

Buchtipp: Bildband Salvador da Bahia & Umgebung, cybertours-x Vlg. 2010, ISBN 978-3940777133

GEPOSTET VON RALF FALBE 01/2011, Fotos: (c) Ralf Falbe

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