24 Stunden in Belfast


„If Punk was hard, Ulster was harder. If Punk was chaos, Ulster was warzone. Punk was the perfect soundtrack to the ravaged cities“.

Ein Besuch der Ausstellung “The Belfast Music Expedition” erschließt dem Besucher wahre Schätze der nordirischen Musikszene. Internationale Größen wie Stiff Little Fingers, Van Morrison oder Snow Patrol prägen seit jeher die lokale Clubszene, die zurecht als kreative Talentschmiede gilt. Nicht zuletzt aufgrund dieser Fülle an Nachwuchs wurde 2009 zum ersten Mal die „Belfast Music Week“ ins Leben gerufen, die seitdem jeweils in der ersten Novemberwoche stattfindet. Kamerateams aus aller Welt übertragen dann ein Mega-Event selbst auf MTV und ausländische Sender. Beim diesjährigen Eröffnungskonzert im Grand Opera House zeigte Lokalmatador Van Morrison einmal mehr, dass auch alte Eisen noch gut rocken können.

Mythen und Legenden: Ein Rundgang im Titanic Quarter führt zum gleichnamigen Museum mit postmoderner Fassade, welche an einen Schiffsrumpf im Eismeer erinnert. Eine Multimedia-Dokumentation zeigt die historischen Werftarbeiten des berühmten Kreuzfahrtschiffs, das einst in der nordirischen Hafenstadt konstruiert wurde. Seit der Ausstellungs-Eröffnung im März 2012 wurden bereits weit über 500.000 Besucher gezählt, die sich für die Geschichte des legendären Luxus-Dampfers begeistern konnten. Es gibt eine komplette Animation mit Film- und Audio-Vorträgen, dazu originalgetreue Nachbildungen der Docks und Schiffskabinen. Wer sich durch Fotogalerien, Ausstellungsstücke und animierte Gondelfahrten gearbeitet hat, stößt zu guter Letzt auf das „Titanic Beneath Theatre“ mit Unterwasseraufnahmen der Bergungsarbeiten. Unter einer Glasdecke im Fußboden zieht der Meeresgrund an dem Besucher vorbei, während dazu der Original-Funkverkehr der Wracktaucher gesendet wird. Nicht nur für Cineasten mit Vorliebe für den gleichnamigen Hollywood-Blockbuster ein Muss.

Im historischen City Quarter lohnt eine Erkundung des St. George´s Market, der etwas an die Pariser Großmärkte erinnert. Neben fangfrischem Fisch jeglicher Art werden ebenso nordirische Spezialitäten sowie Antiquitäten angeboten. Natürlich wird hier auch musiziert und manch ein Besucher verweilt dann doch länger als geplant. Gleich in unmittelbarer Nachbarschaft liegt die schmale Hill Street, die mit dem „Duke of York“ – Snow Patrol spielte hier 1998 einen ersten Gig – einen der schönsten Pubs der Stadt beherbergt. Altehrwürdiges Ambiente verzaubert den Besucher und die Tresen-Crew serviert dazu den berühmten nordirischen Bushmill-Whisky. Für Nachteulen lohnt ein Sprung in den nahen Black Box Club, wo talentierte Nachwuchsbands auftreten. Nicht auslassen sollte man ebenfalls Belfast City Hall und MAC Kunstmuseum, in dem regelmäßig Arbeiten des irischen Künstlers Mark Gerry zu sehen sind. Schlendert man in das Queen´s Quarter, so stößt man auf das Ulster Museum, neben Queen´s University, Elmwood Hall und Methodist College eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des südlichen Distrikts. Auf insgesamt 4 Etagen werden von prähistorischen Fundstücken bis hin zu Ölgemälden überaus beeindruckende Kunstobjekte ausgestellt. Das Methodist College diente bereits etlichen Filmteams als historische Kulisse für Hollywood-Streifen und klassische Dokumentationen.

Zum Verständnis der nordirischen Hafenstadt gehört jedoch auch ein Rundgang durch das Gaeltacht Quarter in West-Belfast. Wandmalereien und Graffities zeugen hier noch immer von dem langen Bürgerkrieg, der einst zwischen Protestanten und Katholiken tobte. In der britisch-protestantischen Shankill Road künden Union Jack und Queen-Porträts von der eindeutigen Haltung der Bewohner, während die republikanisch geprägte Falls Road neben Wandmalereien und Gedenkstätten auch ein Besucher-Museum unterhält. Einen dramatischen Höhepunkt erreichte der Konflikt im Jahr 1981, als der Irische Hungerstreik im Gefängnis mehrere Tote forderte. Bobby Sands – mit 27 Jahren im sogenannten H-Block verstorben – gilt heute als einer der bekanntesten dieser IRA-Aktivisten, die ihr Leben für die politische Sache ließen. Mit seiner späten Wahl zum Unterhaus-Abgeordneten eignete sich Bobby zudem ideal für die propagandistische Arbeit der Sinn Fein Partei, da sein Name mit deutlicher Symbolkraft besetzt war. Dokumentiert wurde der politische Kampf in der Haft durch handgeschriebene Nachrichten, die in Zigarettenpapier gerollt und per Mundkuss von Häftling zu Besucher weitergereicht wurden. Noch heute zeugen Wandmalereien an der International Wall von dieser Form der Nachrichtenübermittlung. Seit dem offiziellen Friedensabkommen von 1998 kämpft lediglich eine Handvoll Ewiggestriger, zumeist in unbedeutenden Splittergruppen organisiert, für überholte politische Ideale. Beliebt für Besichtigungen sind die Black Cab Tours – Rundfahrten mit den berühmten alten London-Taxis.

Szenenwechsel. Ein rotgesichtiger Mann in mittleren Jahren wirft ungestüm seinen Mantel ab und stürmt auf die winzige Tanzfläche. Es ist Sonntagabend im Robinsons Pub – unmittelbar neben dem legendären Crown Liquoor Saloon gelegen – und die Menge verlangt nach Guinness, Whisky und traditioneller Musik. Der Barkeeper streichelt mit Hingabe die Sahnehäubchen vom Bierkrug, während eine vierköpfige Band die Instrumente bearbeitet. Man trifft auf Jung und Alt, auf Arm und Reich. Und hier wird sie wieder deutlich, die einzigartige Kultur Irlands: Der Pub als klassenloses und generationenübergreifendes Wohnzimmer.

Gut zu wissen:

Irland Information

Gutleutstraße 32

60329 Frankfurt am Main

Tel.: 069 – 6680 0950

Fax: 069 – 9231 8588

info@entdeckeirland.de

www.entdeckeirland.de

Belfast Information

www.gotobelfast.com

www.discovernorthernireland.com

Aer Lingus

Landsberger Straße 155

80687 München

Tel.: 01805 – 133 209 (12 ct./min. aus dt. Festnetz)

reservations.germany@aerlingus.com

www.aerlingus.com

Direktflüge von Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart

und München nach Dublin sowie von München nach Cork. Von Dublin

nach Belfast mit dem Bus (Return Ticket 23,50 €), der stündlich am

Flughafen abfährt (Fahrzeit ca. 2 Stunden).

Anreise mit dem eigenen Fahrzeug

Per Nachtfähre von Nordfrankreich direkt nach Irland

(Cherbourg / Roscoff-Rosslare) oder zunächst nach Großbritannien,

von dort mit Anschlussfähre weiter nach Irland (Durchgangstarife

über verschieden Routen)

Irish Ferries

Tel.: 0421 – 1760 218

www.irlandfaehre.de

© Gepostet by Ralf Falbe 11/2012, © Fotos by Ralf Falbe



Kategorien:Europa

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