Overland: Mit dem Linienbus durch Brasilien


C„Ó paí,ó“ – so heißt ein brasilianischer Spielfilm über den touristischen Stadtteil Pelourinho („Schandpfahl“) und seine Bewohner in Salvador da Bahia. Ein Streifen, der – anders als die mit Preisen ausgezeichneten Filme „Tropa de Elite“ oder „Cidade de Deus“ – eher weniger auf spektakuläre Szenen von Bandenkriminalität setzt, sondern humorvoll den Alltag in diesem lebhaften Stadtviertel skizziert. Es ist die Energie der Menschen, die niemanden kalt bleiben lässt. Jorge Amado, Salvadors berühmtester Schriftsteller, bemerkte dazu einmal: „Das Volk ist stärker als die Armut. Auch wenn das Überleben vor lauter Schwierigkeiten und Grausamkeiten fast unmöglich erscheint, das Volk lebt, kämpft, lacht, gibt nicht auf.“

Lago do PelourinhoDie unverwüstlichen Klassiker von Bob Marley, neben Nelson Mandela und Malcom X einer der Helden des schwarzen Salvadors, wehen über das raue Kopfsteinpflaster. Und auch der strubbelige Straßenjunge ist wieder da, der immer mit den drei Kokosnüssen vor den Touristen jongliert und auf diese Weise hin und wieder ein durchaus attraktives Einkommen erzielt.

RibeiraAn den überlaufenen Stadtstränden von Ribeira und Praia do Porto da Barra werden Liegestühle für zwei Real vermietet. Das brasilianische Selbstverständnis am Strand unterscheidet sich doch sehr von den europäischen Vorstellungen. Während die blassen Touristen aus Übersee sich über menschenleere Strände freuen, hockt man hier gerne auf einem Haufen und freut sich bei über 7.000 Kilometern leerer Küste über Gesellschaft und Radau. Es werden Fleischspieße, Garnelen, Kokosnusssaft und eiskaltes Bier gereicht, aber auch Bikinis, Sarongs, Sonnenöl in kleinen Tuben und bunte Holzketten. Hier arbeiten auch Profis, deren Job es ist, „Amigo“ zu sagen.

Praca da SéMit dem Stadtbus gelangt man für rund zwei Real von dem Praça da Sé via Itapuã bis nach Praia da Flamengo, dem schönsten und letzten Stadtstrand Salvadors, wo sich in den zahlreichen Strandbars wohlhabende Baianos amüsieren. Die Lagune Lagoa de Abaeté liegt gleich landeinwärts bei Itapuã, einem Vorort Salvadors mit langen Sandstränden, und ist sonntags als Ausflugsziel sehr beliebt. Einen guten Überblick bietet auch eine organisierte Stadtrundfahrt mit dem Salvador Bus, http://www.salvadorbus.com.br. Den überregionalen Busbahnhof (Rodoviária) von Salvador erreicht man mit dem Taxi vom Pelourinho aus für 18 Real oder aber mit dem Bus vom Praça da Sé für rund 2 Real (Richtung Iguatemi).

_DSC6553Verläßt man Salvador, dann führt die Nordroute via Linha Verde, einem nahen Küstenstreifen mit atemberaubend schönen Stränden wie Praia do Forte, weiter hoch bis nach Maceió, Recife und Natal in Rio Grande do Norte. Man durchquert die Bundesstaaten Bahia, Sergipe, Alagoas, Pernambuco und Rio Grande do Norte. Beim Einchecken am städtischen Busterminal werden Fahrkarte und Reisepass kontrolliert, für das aufgegebene Gepäck erhält man einen Beleg, der später bei Aushändigung der Taschen wieder vorzuzeigen ist. Die Busfahrer tragen hier makellose weiße Hemden mit Krawatte und gelten als überaus ehrenwert. Bei langen Fahrten werden regelmäßige Pausen an Truck-Stopps eingelegt, wo man eine Kleinigkeit essen und auch eine Toilette – alle Fernbusse sind trotzdem mit WC ausgerüstet – aufsuchen kann.

rfa-0019.jpgWeiter nördlich liegt das traumhafte Mangue Seco (225 Km von Salvador) mit schneeweißen Sanddünen, ein Eldorado für Naturliebhaber. Praia do Forte, ehemaliges Fischerdorf und heute ökologisches Vorzeigeprojekt, ist eine Hochburg des organisierten Reisens und so trifft man hier überwiegend auf pauschale Reisegruppen aus Brasilien und Europa. Die Dorfmeile ist gepflastert und Modeläden, Restaurants sowie Souvenirshops säumen eine breite Trasse. Der Ort erstreckt sich über insgesamt 12 Kilometer, einschließlich der vielen kleinen Lagunen, Flüsse und Riffe. Attraktion ist hier das Projet Tamar, ein Schutz- und Aufzuchtsprogramm für Meeresschildkröten.

_DSC6834Von Praia do Forte gelangt man mit dem Minibus für 3 Real in das nördlicher gelegene Imbassai, wo traumhafte Strände in ursprünglicher Umgebung locken. Im Hinterland warten Schiffer mit ihren Jangadas auf Wochenendbesucher, die die weiten Binnengewässer erkunden wollen. Busse halten an der Hauptstraße, von dort sind es etwa 10 Minuten Fußweg durch das Dorf bis an den Strand. Mehrere einfache Pousadas und Restaurants fangen müde Wanderer auf, dazu sorgen schlichte Barracas am Strand für das leibliche Wohl. Kilometerlange Strandwanderungen sind hier in ungestörter, unverbauter Natur möglich.

BaianoSeitdem die Dividenden auch in Brasilien stiegen, gibt die neue Mittelschicht das Urlaubsgeld bevorzugt im eigenen Lande aus. Als zweitwichtigste Region nach Rio de Janeiro zählt die lange Küste Bahias. Vorbei die Zeiten, als Nordeste nur als Armenkammer Brasiliens galt, als Land der Großgrundbesitzer, Viehbarone, Wanderarbeiter, Tagelöhner, Halsabschneider und Huren. Heute stecken internationale Location-Scouts im Auftrag der globalen Tourismusindustrie im Eiltempo die besten Claims ab.

City LightsMaceió (Alagoas) erreicht man von Salvador aus in gut zehn Stunden Busfahrt (120 Real). Der Nachtbus um 22:00 h bietet sich an, da man dann sogleich eine Übernachtung spart und zeitig am frühen Morgen ankommt.
Vom städtischen Rodoviária in Maceió fährt alle 20 Minuten ein Bus für 3 Real zum Praia Francês, dem bekanntesten Strand südlich von Maceió. Mit dem Taxi gelangt man für 18 Real vom Busbahnhof in den Stadtteil Pajuçara, der auch nächtens als sehr sicher gilt und wie der benachbarte Distrikt Ponta Verde direkt am Strand liegt.

PoliciaHier patrouillieren ständig Polizisten auf dem Mountainbike und geben den Gesetzlosen keine Chance. Verhaftungen werden ohne langes Fackeln und ohne Vorlesen der Bürgerrechte erledigt – oft genug setzt es erst einmal Schläge. In den Barracas, den Strandbars, trinkt man das eisgekühlte Bier für vier Real und wartet auf den ultimativen Flirt. Ausflugsboote, die Jangadas, bringen Touristen zu den vorgelagerten Riffen, den Piscina Natural, zum Schnorcheln. Beliebt auch die Passeio das 9 Ilhas, eine Bootsfahrt, die durch die Lagunen und Binnengewässer südlich von Maceió führt.

Piscinas NaturaisAngesagter Club im vornehmen Ponta Verde ist das Maikai, http://www.maikaimaceio.com.br, wo die brasilianische Mittelschicht für 18 Real Eintritt zu den Klängen von Madonna abtanzt. Die Banco do Brasil findet man u. a. in Ponta Verde an der Strandpromenade. Kunden ziehen im Erdgeschoss eine Nummer, mit der man im Obergeschoss dann der Reihe nach bedient wird – was durchaus einige Stunden dauern kann. Die schönsten Strände des Bundeslandes Alagoas liegen unweit von Maceió: Praia Francês, Maragogi und Gunga bieten ein unverbautes Naturspektakel ohne Menschenmassen und zählen zu Brasiliens schönsten Perlen.

_DSC7887Nach Natal fahren täglich mehrere Busse, empfehlenswert wieder der Nachtbus um 22:00 h. Die Klimaanlage im Bus läuft oft genug ohne Rücksicht auf Verluste, von daher kann eine warme Decke oder Jacke gute Dienste leisten. Am Busbahnhof von Natal erwartet den Neuankömmling eine gut ausgerüstete, englischsprachige Touristeninformation, wo man sich mit Stadtplänen, Informationen und aktuellen Adressen eindecken kann. Nach Recife ebenfalls mehrmals täglich mit der Busgesellschaft Real Alagoas, die Fahrkarte kostet rund 45 Real und ein Halt in Porto de Galinhas ist bereits ab 35 Real möglich. Man wird an der Hauptstraße abgesetzt und kann mit einem Minibus für 3 Real weiter in den Badeort reisen.

PipaPraia da Pipa: Täglich mehrere Busse nach Natal (ca. 90 Minuten Fahrt, 82 Kilometer, 10 Real, letzter Bus um 18:10 h) und alle 15 Minuten verkehren Minibusse (2,5 Real) nach Goianinha an der Hauptstraße BR 101, wo sich links hinter einer Tankstelle die Holzbude der Busgesellschaft São Geraldo befindet. Täglich um 10:00 h hält hier u. a. der Fernbus nach Salvador (150 Real, ca. 20 Stunden Fahrzeit), der Natal um 9:30 h in Richtung Süden verlässt.

Minibusse nach Pipa fahren in Goianinha vom Marktplatz vor der Kirche ab. Neben der Tankstelle an der BR 101 findet sich auch die Pousada Casa Grande, deren Besitzer Sergio früher zur See gefahren ist und mit dem man hervorragend über die Kneipen der Hamburger Reeperbahn schnacken kann.

© Text & Fotos by Ralf Falbe

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