Interview mit hostwriter – Networking für freie Korrespondenten


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Die Plattform hostwriter – gegründet von den drei deutschen Journalistinnen Sandra Zistl, Tabea Grzeszyk, Tamara Anthony – vereint mediales Networking mit globalem Couchsurfen. Freie Korrespondenten finden hier kundige Kollegen im Ausland, die nicht nur mit Rat und Tat, sondern zur Not auch mit einem Bett aushelfen können. In Zeiten schrumpfender Budgets im Journalismus ein wegweisendes Model für die unabhängige Auslandsberichterstattung. Der freie Fotojournalist und Blogger Ralf Falbe dazu im Gespräch mit hostwriter:

Falbe: Wie kam es zu der Idee für dieses innovative Projekt und seit wann steht die Plattform im Netz?

hostwriter: Die Idee entstand ganz klassisch aus einem Bedürfnis heraus. Zwei der drei Gründerinnen erlebten wie die Zusammenarbeit mit Kollegen im Ausland den eigenen Journalismus bereichern kann. Als sie merkten, dass es bisher keine Plattform gab, auf der man als Journalist einen Kollegen suchen und kontaktieren kann entschieden sie sich das selbst in die Hand zu nehmen.

Falbe: Wieviele Mitglieder sind derzeit bei hostwriter registriert? Welche Nationalitäten sind am stärksten vertreten?

hostwriter: Innerhalb von 11 Monaten seit der Gründung haben sich 1040 Journalisten aus 67 Ländern angemeldet – und täglich kommen neue dazu. Die meisten Mitglieder haben wir bisher natürlich in Deutschland. Aber auch Großbritannien, USA und Italien sind stark vertreten. Besondern froh sind wir natürlich über die Orte, an denen sonst weniger internationale Medien zu finden sind. Neulich haben sich drei Journalisten aus Bhutan angemeldet und wir sind zum Beispiel auch in Bangladesh, Swaziland und Venezuela vertreten.

Falbe: hostwriter richtet sich an freie Journalisten und Auslandskorrespondenten. Können sich auch Reiseblogger registrieren, um bei Bedarf im Ausland eine gute Story zu recherchieren?

hostwriter: Journalisten sind Geschichtenerzähler. Ob es sich in diesen Geschichten um Politik, Kultur, Konflikt oder Reisen handelt spielt keine Rolle. Deshalb sind auch Reiseblogger auf hostwriter willkommen. Wir fordern für die Akkreditierung allerdings Arbeitsproben, die beweisen, dass man tatsächlich journalistisch bloggt und nicht nur von seinem Leben und dem letzten – wenn auch sehr köstlichem – Frühstück erzählt.

Falbe: Wie funktioniert die Kontaktaufnahme zu den einzelnen Mitgliedern intern? Gibt es ein Profil mit Arbeitsproben o. ä., das man bei Bedarf anklicken kann?

hostwriter: Genau. Jeder hostwriter hat ein Profil – ähnlich wie LinkedIn oder Facebook – auf dem er oder sie Wohnort, Recherche-Interessen, Sprachen und bevorzugtes Medium angeben. Nach diesen Unterpunkten kann in einer Suchmaske gesucht und gefunden – und per Email kontaktiert werden.

Falbe: Wie wird gewährleistet, dass man an einen seriösen Kontakt gerät? Werden die Mitglieder bei der Registrierung nach ihrem Presseausweis gefragt oder wie kann man sich die Aufnahme vorstellen?

hostwriter: Wie bereits vorher erwähnt muss jedes Mitglied von uns akkreditiert werden. Das geschieht entweder durch die Zusendung von Arbeitsproben oder durch einen Einladungscode von unseren Partnerorganisationen, die ihre Mitglieder somit selbst akkreditieren können.

Falbe: Ist eine journalistische Berichterstattung zwingend für die Kontaktaufnahme mit einem Mitglied? Oder darf es auch lediglich der Wunsch nach einer preiswerten Unterkunft im Kollegenkreise sein?

hostwriter: Die Plattform soll keine Wohnungs- oder Hostelvermittlung sein. Unser Ziel ist es Kooperation zu fördern und somit den internationalen Journalismus zu verbessern. Natürlich ist es nicht verboten einen Kollegen anzuschreiben ohne dass die Expertise zur eigenen Recherche passt. Die Idee ist, dass man während Recherchereisen bei Kollegen unterkommen kann – und nicht bei privaten Urlauben.

Falbe: Welche Aufgabe hat ein hostwriter-Botschafter in dem globalen Netzwerk? Wie wird man zu einem „Ambassador“?

hostwriter: Als Botschafter ist man quasi ein Beispiel-Mitglied. Sozusagen ein Bindeglied zwischen uns – dem Team – und den Mitgliedern. Das heisst, wenn wir Feedback brauchen, Gesichter für einen Banner, oder sonstige Infos von Mitgliedern, wenden wir uns zuerst an unsere Botschafter. Ausserdem setzen wir sie als erweitertes Team ein. Michael Stang ist so ein Botschafter. Er fliegt im Mai zum Beispiel nach Südkorea und organisiert dort im Namen von hostwriter ein Panel auf einer Wissenschaftsjournalismus-Konferenz. Ausserdem bekommt jeder Botschafter einen Einladungscode, den er an sein Netzwerk weitergeben kann – das heisst er oder sie darf auch akkreditieren.

Falbe: Der Gedanke der Vernetzung über hostwriter ist sehr spannend. Wie ist die Resonanz dazu in der deutschen Medienlandschaft?

hostwriter: Die deutschen sowie die internationalen Medien waren bisher sehr positiv. Wir wurden unter anderem in der SZ gefeatured, aber auch auf journalism.co.uk sowie in Publikationen in Norwegen und Russland.

Falbe: Wie finanziert sich die Plattform? Gibt es Sponsoren oder Mäzene, die hostwriter finanziell unter die Arme greifen?

hostwriter: Derzeit sind wir zu 100% auf Stiftungsgelder angewiesen. Wir arbeiten allerdings an mehren Konzepten, um uns langfristig eigenständig finanzieren zu können.

Falbe: Vielen Dank für das Gespräch.

 

© Foto by hostwriter (v.l.: Sandra Zistl, Tabea Grzeszyk, Tamara Anthony)

 

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