Inselwelten der Ägäis – Zwischen Lesbos und Lemnos


Stelios KounniarisStelios Kounniaris sitzt in seinem Atelier und arbeitet bedächtig an einem nächsten Kunstwerk. Diese farbprächtigen Motive zieren viele Postkarten der Souvenirhändler von Molyvos. Die kleine Rente wird nur unregelmäßig überwiesen, seine Mutter ist pflegebedürftig und die Tageskasse oft leer. Alltag vieler Griechen derzeit. „Die griechische Realwirtschaft steckt in der Stagnation“, warnte jüngst bereits Konstantinos Michalos, Präsident des griechischen Verbandes der Industrie- und Handelskammern. Und an der Fernstraße nach Mytilini ziehen die Flüchtlinge aus Syrien vorbei, oft gut gekleidet und voller Hoffnung auf einen Neuanfang in Europa. Trotz offensichtlicher Schwierigkeiten gibt man sich zuversichtlich auf Lesbos.

MountainbikingDas Kapital der Insel heißt Natur. Zahlreiche Wanderwege und Offroad-Pisten für Mountainbiker wurden in den letzten Jahren erschlossen, die nur auf neue Besucher warten. Der Tourismus ist noch immer eine der wichtigsten Einnahmequellen Griechenlands, also wurde hier gezielt investiert. Es ist der authentische Charme der Insel, der überzeugt. Massentourismus und Hotelburgen? Fehlanzeige. Schlendert man durch die mediterrane Hafenstadt Mytilini, lassen sich kleine Cafés, historische Kirchen und lebhafte Studentenkneipen entdecken. Crisis? What Crisis? In der Ouzo-Distillerie Barbayannis, eine der ältesten in ganz Griechenland, zeigt der Daumen aufwärts: In über zwanzig Länder wird der edle Tropfen exportiert und auch im Lande selber steigt die Nachfrage stetig. In Krisenzeiten wird getrunken – das gilt auch für Hellas.

LemnosDie Nachbarinsel Lemnos ist mit der Fähre in rund fünf Stunden zu erreichen. Bullige Bulgaren im Porsche Cayenne sondieren hier offensichtlich bereits die Immobilienpreise. Das historische Erbe heißt Gallipoli. Während des ersten Weltkriegs sammelte Churchill an dieser Stelle die alliierten Truppen, um die osmanische Festung an den Dardanellen anzugreifen. Das blutige Desaster ging in die Geschichte ein und noch heute finden sich auf Lemnos, Insel des Hephaistos, viele Soldatenfriedhöfe. An der Hafenmole von Myrina aber ist der Sonnenuntergang so beeindruckend wie vor 100 Jahren.

Sfougato„20 Taxis und 100 Schafe. Das war mein erster Eindruck von Lemnos, als ich hier vor 27 Jahren ankam“, erzählt die Schweizer Reiseleiterin Brigitte. Es ist das ursprüngliche Griechenland, das man noch heute hier entdecken kann. In der Taverne MAN-TELLA in Sardes kommt urige Hausmannskost auf den Tisch, während man ungeniert seine Nase in die Kochtöpfe stecken darf. Zwischendurch greift der Wirt zur Klampfe oder genießt einen kleinen Plausch am Nachbartisch. Burn-Out-Syndrom? Gibt es nicht. Hier zählt Zeit mehr als Geld.

Keros BayIn der Bucht von Keros treffen sich die Kitesurfer aus aller Welt. Die konstanten Winde bringen ideale Bedingungen für den Sport. „Wir sind ausgebucht bis September“, erzählt man im Keros Surfcamp stolz. Ein kleines Wirtschaftswunder auf einer Insel mit gerade einmal rund 17.000 Einwohnern. Man gönnt es den gebeutelten Griechen und genießt still die Inseln der Gelassenheit und Gastfreundschaft.

Gut zu wissen:
Molyvos Tourism Association, http://www.theotheraegean.com
Limnos Guide, http://www.limnosguide.gr
Lesvos Ride Bike Tours, http://www.lesvosride.gr
Surf Club Keros, http://www.surfclubkeros.com

© Text und Fotos by Ralf Falbe 06/2015. Mit freundlicher Unterstützung durch Visit Greece. Sponsored Link: Hotel.de.

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Kategorien:Europa

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1 reply

  1. Diese Ecke der Welt kannte ich nur von der türkischen Küste aus. Umso interessanter Dein Bericht aus Lesbos und Lemnos. Danke!

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