Dublin rockt


Dublin rocktDer Bassist schwitzt. Sein Gesicht trägt eine wächserne Hautfarbe und seine hagere, kleine Gestalt umspannt eine Lederkluft, die woanders als Zwangsjacke durchgehen würde. Trotz der Jugend ist das Haar bereits schütter – wirre Strähnen hängen ihm in die Stirn, während er wie ein Gummiball auf und ab hüpft, das übergroße Instrument mutig geschultert. Ein Backenbart spannt sich dazu bis zum Kinn, das angriffslustig in die Menge gereckt ist. „We truly believe in Rock´n Roll!“, schleudert der übergewichtige Sänger mit der Frisur, die keine ist, dem schweißgebadeten Publikum entgegen. Der Gitarrist könnte als Leergutsammler durchgehen, aber er bearbeitet sein Instrument mit der Inbrunst eines „The Edge“ von U2. Der Saal kocht. „Are they from Liverpool?“, fragt der bärtiger Riese nebenan. Ein Mädchen zückt daraufhin Bierdeckel und Kugelschreiber, kritzelt ein paar Buchstaben zwischen Guinness-Flecken auf die Pappe: THE MIGHTY STEF from DUBLIN! Es ist After Run Party vom Rock´n Roll Half Marathon im Whelan´s Pub.

Rockn Roll MarathonDie wirre Truppe auf der Bühne kümmert´s nicht weiter – „hopeful songs about hopelessness and euphoria“, steht auf der Band-Website. Der Bassist, vieleicht ein Verwandter des Butlers Riff Raff aus „The Rocky Horror Picture Show“, reißt sein Instrument in die Höhe und verdreht dazu die Augen. Immer noch trägt er seine lederne Zwangsjacke, während im Club bereits tropische Temperaturen herrschen. „The next song is for the girls! A slow song!“, lautet die Ansage des bereits schwankenden Sängers. “We really love girls”, bekräftigt der wachsbleiche Bassist und starrt mit leerem Blick in das Publikum. Mädchen kreischen, andere kichern und prosten sich hoffnungsvoll zu. Ausnahmezustand. Irgendjemand bringt ein neues Glas Guinness vorbei, während ein paar chinesische Touristen verwirrt auf die Bühne starren und verlegen grinsen. East meets West in Dublin. Oben im dunklen Sépaéee, da wo die Wände mit bunten 70er-Jahre Tapeten dekoriert sind, hängt ein vergilbtes Foto von John F. Kennedy an der Wand. Man ist hier immer noch stolz auf einen irischstämmigen US-Präsidenten, auch wenn dieser bereits lange tot ist. Die passende Konversation ist wie in einem guten Pub: „Where are you from?“, „Where ist the toilet?“, „Where is my beer?”. Grell geschminkte Mädchen hasten hin und her, wollen nichts verpassen in dieser Nacht. Ein ganz normaler Abend im legendären Whelan´s Pub in Dublin.

Gut zu wissen:

Rock´n Roll Dublin Half Marathon: Sportliches Event mit viel Rockmusik, jeweils Anfang August in Dublin mit After Run Party im Whelan´s Pub. Zur Fotostrecke bei Demotix

Reisezeit: April bis Oktober, wobei es im Juli und August häufiger regnen kann. Mai/Juni und die Monate September/Oktober sind relativ beständig.

Unterkünfte: Irland bietet alle denkbaren Unterkunftsmöglichkeiten für jedes Budget von Campingplätzen über Jugendherbergen, Privatpensionen (B &B), Herrenhäuser, Hotels und luxuriösen Schlössern.

Anreise: Aus Deutschland wird Irland direkt angeflogen von Aer Lingus, Lufthansa und Germanwings. Die Anreise mit Ryanair ist nicht wirklich zu empfehlen. Viele Reiseveranstalter und Fluggesellschaften bieten günstige Fly & Drive-Angebote an.

Informationen: Irland Information (Tourism Ireland), Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069 6680 0950.

© Text und Fotos (beide Bilder vom Rock´n Roll Dublin 1/2 Marathon 2015 im Phönix Park) von Ralf Falbe 2015. Mit freundlicher Unterstützung durch Irland Information (Tourism Ireland) in Frankfurt am Main.

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Kategorien:Europa

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2 replies

  1. Starker Text, ausdrucksvolle Bilder. So soll es sein!

    Merci für den Bericht

    Gruß aus dem Donautal
    http://ReiseFreak.de
    Wolfgang „Diehard“ Brugger

Trackbacks

  1. [Cybertours-X] Dublin rockt

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