Cloud 9


„He had a gun!“ Ace zieht nervös an der Zigarette und blickt sich vorsichtig hinter seinem Tresen um. Der Australier wollte eigentlich gerade das einjährige Jubiläum seiner Bar „Offshore“ feiern, als sich Ärger anbahnte. Zuviel Alkohol und gekränkte Eitelkeit – ein Filipino mit Revolver unterm T-Shirt und Promille im Blut wollte da nicht mitspielen. Kurz darauf hektisches Aufräumen, Ace macht kurzerhand seine Bar dicht. Die Meute zieht weiter ins benachbarte „Hotspot“ von Viktor, wo bereits einige Transvestiten auf dem sandigen Catwalk flanieren. Grelle Pilotenbrillen und kurze Röcke wechseln die Besitzer, es wird heiß. Auf dem Boden brennen Moskito-Coils in leeren Rumflaschen – Malaria ist hier nicht das Problem. „Have more fun in the Philippines“, dröhnt es dazu aus den Lautsprecherboxen. Cora stammt aus General Luna, arbeitet hinter der Bar und besticht durch Humor und Anmut. Und der Boyfriend? „He has some problems with the police in his country“, schnurrt die Schöne und lacht. Kann passieren.

„I am a Surf Instructor!“ Der Filipino mit dem Glasauge und dem abgerissenen Äußeren preist seine Dienste an. Die ganze Palette. Moped? Surfboard? Dope? Irgendetwas muss doch zu machen sein. In dem kleinen Restaurant nebenan läuft ein drittklassiger Krimi aus Manila. Ein kleines Mädchen sitzt stumm auf einem Stuhl, ohne etwas zu bestellen und starrt unbeweglich auf den Fernseher. Schüsse fallen laut Drehbuch und alle Anwesenden blicken gebannt von ihrem Essen auf. Ein ganz großes Kino offenbart sich hier gerade. Weiter unten läuft die „Thirsty Thursday“-Party und Ray erzählt, wie er hier eine Bierflasche über den Schädel bekam: „Ich saß am Laptop und war bei der Arbeit, da fragte mich ein besoffener Filipino, ob ich seinen Vater kennen würde. Kannte ich natürlich nicht, also bekam ich die Flasche übergezogen.“ Es lohnt sich also, die lokalen Familienverhältnisse genau zu studieren. Ach ja, Surfen kann man hier auch.

Gut zu wissen:

Unterkunft: Wayfarers Cloud 9, preiswerte Zimmer ab 400 Peso (Fan) bei Engländer Martin direkt am Spot Cloud 9. Reservierung empfohlen.

Bank: In General Luna ist für 2016 die Eröffnung einer Bank geplant, in Dapa gibt es einen unzuverlässigen Geldautomaten (ATM). Bargeld sollte daher besser ausreichend vom Festland mitgebracht werden.

An- und Abreise: Täglich zwei Bancas und eine RoRo-Fähre von Surigao auf Mindanao nach Dapa auf Siargao Island und zurück, Abfahrt am frühen Morgen und am Vormittag, Fahrzeit rund drei Stunden, Fahrpreis 250 Peso. Von Dapa nach Cloud 9 dann via General Luna z. B. mit dem Tricycle für rund 150 Peso. Auf Siargao Island gibt es einen kleinen Flughafen, der nur von Cebu Pacific angeflogen wird und die Insel mit der Metropole Cebu City verbindet. Airport Suttle Service z. B. via 101 Beach Resort für 300 Peso (Van). Von Surigao täglich mehrere Flüge nach Manila und Cebu City, Tickets (ab 40 Euro) kann man auch direkt am Flughafen kaufen. Für Online-Buchungen bei Cebu Pacific mit Kreditkarte ist zumeist die Eingabe einer TAN-Nummer der eigenen Bank erforderlich – diese sollte man sich vor der Reise gut notieren. In Surigao gibt es gleich hinter dem Hafen preiswerte Unterkünfte wie die Gulfsite Pension mit Zimmern ab 350 Peso. Eine Übernachtung lohnt auch durchaus wegen der freundlichen Menschen und des stimmigen Nachtmarkts an der Hafenmole. Die Überlandfahrt von Surigao nach Cagayan do Oro dauert etwa 9 Stunden, unterwegs kann man einen Abstecher nach Camiguin Island machen. Auch wenn der Norden von Mindanao als sicher gilt: Achtung! Erst im Frühjahr 2016 wurden hier drei Westler und eine Filipina entführt und später ermordet. Die Sicherheitsverhältnisse können sich schnell ändern, oft geht es auch um Drogen und viele sind bewaffnet.

Essen: Eine Institution ist Mama´s Grill zwischen General Luna und Cloud 9. Spieße mit Grillfleisch ab 50 Peso, dazu eiskaltes Bier für 40 Peso. Jede Menge Restaurants für alle Budgets und auch preiswerte Versorgung über Sari-Sari Stores.

Nightlife: Freitags und dienstags ist die Jungle Disco angesagt, dazu wechselnde Partys in diversen Resorts und Strandbars. Flyer liegen überall aus.

Fotografie: Shaka Siargao, Cloud 9, Surffotografie, Galerie mit wechselnden Ausstellungen und Café.

Surfboards: 101 Beach Resort, Cloud 9, Surfboard-Verleih 250 Peso / Stunde, Surfkurse werden von fast allen Resorts und Surfshops angeboten.

Wechselkurs: Aktuell bekommt man für 1 Euro 53 Peso (Stand März 2016).

© Text und Videos von Ralf Falbe 2016. Buchtipp: Unterwegs auf drei Kontinenten.

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Kategorien:Asien

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