Leyte – Insel mit Geschichte


General MacArthur. Imelda Marcos. Rodrigo Duterte. Leyte auf den südlichen Philippinen war pazifischer Kriegsschauplatz vom 17. Oktober bis zum 31. Dezember 1944. Alliierte Kampftruppen unter dem Kommando von General MacArthur führten hier eine groß angelegte Schlacht gegen die Japanisch-Kaiserliche Besatzungsarmee. Die Rückeroberung von Leyte galt als strategisch wichtiger Baustein im Pazifikkrieg der Amerikaner, um Schifffahrtslinien sowie Versorgung zu sichern und die philippinische Bevölkerung vom Joch der Besatzer zu befreien. Die Invasoren trafen auf eine erbitterte japanische Gegenoffensive, die einen hohen Blutzoll auf beiden Seiten forderte. Noch heute erinnert auf Leyte ein Denkmal von General MacArthur – hochdekorierter Berufsoffizier der US-Armee – an diese grausigen Kampfhandlungen.

Imelda Marcos, ehemalige philippinische First Lady und Schönheitskönigin, verbrachte ihre Jugend auf Leyte. Das Regime der Marcos-Ära (1965-1986) mündete ab 1972 in einer Diktatur, die zahlreicher Menschenrechtsverletzungen beschuldigt wurde. Imelda Marcos pflegte u. a. Freundschaften mit Ronald Reagan, Oberst Gaddafi, Saddam Hussein oder Adnan Kashoggi. Die selbsternannte „Mutter der Nation“ wurde nicht zuletzt durch ihre exzessive Selbstinszenierung und berühmte Schuhsammlung weltbekannt. Nach Schätzungen der Weltbank haben die Marcos während ihrer Regierungszeit über 10 Milliarden US-Dollar in die eigene Tasche gewirtschaftet, womit sie zu den drei korruptesten Regimen der 70iger Jahre zählten. Noch heute sitzen enge Verwandte von Imelda Marcos – die nach Flucht in die USA seit 1991 wieder auf den Philippinen lebt – in politischen Ämtern.

Maasin City auf Leyte – Geburtsstadt von Präsident Rodrigo Duterte – wirkt auf den ersten Blick wie ein Starlet aus der Stummfilmzeit. Während der neue Präsident der Philippinen westliche Staatsoberhäupter beleidigt und für mindestens 6.000 Todesopfer in einem undurchsichtigen Drogenkrieg verantwortlich ist, scheint hier die Zeit stillzustehen. Unten am Hafen wird ein gewonnener Hahnenkampf mit viel Bier gefeiert. Dazwischen einige Westler, die sich in der Umgebung niedergelassen haben und kleine Resorts führen. Man fürchtet willkürliche Enteignungen durch den unberechenbaren Präsidenten und beklagt Umsatzeinbußen nach dem verheerenden Taifun Jolanta, der 2014 auf Leyte wütete. Der Tourismus steckt hier noch in den Kinderschuhen.

Ein Zoo in Maasin City, so verspricht das große Plakat am Busbahnhof. Irgendwo im Hinterland. Auf dem bunten Plakat nur eine kleine Telefonnummer, die Anreise bleibt ein Geheimnis. Verhandlungen mit den Habal-Habals, den Motorrad-Taxifahrern, gestalten sich angesichts der aufgerufenen Mondpreise schwierig. Eine Nachfrage nach dem Kratersee Lake Danao im Provincial Planning Development Office ergibt Stirnrunzeln bei den Funktionären in dem gut gekühlten Verwaltungsgebäude. Man nestelt verlegen ein paar Hochglanzbroschüren hervor und murmelt etwas von „far away“ und „difficult“.

Etwas später nickt ein Moped-Cowboy eifrig, als die Guinsohoton Falls ins Gespräch kommen und flugs ist ein Fahrpreis ausgemacht. Irgendwann biegt das Motorrad links von der Hauptstraße ab und stoppt vor einer staubigen Schule. „Not far“, heißt es noch, bevor sich der Fahrer umwendet und im Verkehrsstrom verschwindet. Aus dem nahen Regenwald dringen krächzende Geräusche. Ein Farmer zieht seinen Holzwegen den Hang hinauf und zeigt auf eine Piste in die Wildnis: „Guinsohoton Falls? Only 7 Kilometres“. Schweiß trieft. Leyte bleibt spannend.

Gut zu wissen:

Anreise: Der Flughafen von Maasin City ist weiterhin eine Baustelle. Von Manila fliegt man am besten nach Tacloban City, wo sich Vans finden, die in 3-4 Stunden Maasin City ansteuern. Schiffe verkehren von Maasin City nach Cebu, Bohol sowie Surigao auf Mindanao (Abfahrt 3:00 h morgens), wo sich ein Anschlussboot nach Siargao Island (Cloud 9) findet. Weiter nördlich von Ormoc ebenfalls gute Schiffsverbindungen in die Visaya-See.

Unterkunft: Gut und günstig ist das Ampil Pension House mit einfachen, sauberen Zimmern ab 400 Peso. Zentrale Lage in Maassín City und bei jedem Taxifahrer gut bekannt. Etwas schräg gegenüber liegt das Villa Romana Hotel mit Meeresblick, wo sich auf der Terrasse auch gut frühstücken läßt.

Verpflegung: Ein Tipp ist das Restaurant Mr. Wok mit erstklassigen Gerichten ab 150 Peso, eine Seitenstraße neben dem Ampil Pension House gelegen. An der Hafenmeile auch Pizza und Bierbars.

Nightlife: Tavern Club, an der Hauptstraße von Maasin City gelegen, freitags geht die Post ab. Ebenfalls am Hafen in Racs Café sowie mehrere Karaoke-Bars.

Geldwechsel: Metro Hiper, Supermarkt und Warenhaus gleich neben der Busstation mit schlechten Euro-Kursen. Besser US-Dollar tauschen oder mit Karte (und Glück) bei der Metrobank Cash ziehen. Mitunter sind die Automaten außer Betrieb, nehmen nur einheimische Karten oder haben schlichtweg keine Geldscheine im Fach. Beste Tageszeit für Abhebungen ist der Vormittag, wenn böse Buben noch schlafen.

Padre Burgos: Verschlafenes Dorf in der Nähe von Maasin City und berühmt für Tauchgänge mit Walhaien in der Sogod Bay. Mitunter lassen sich diese friedlichen Giganten sogar vom Ufer aus beobachten. Günther von Southern Leyte Divers ist seit 25 Jahren auf den Philippinen ansässig  und führt hier seine vorbildliche Tauchbasis. Übernachtung ist auch in mehreren einfachen Pensionen möglich, u. a. bei dem Deutschen Peter Lohmann. Mit dem Chicken-Bus von Maasin City für 30 Peso in rund 45 Minuten erreichbar.

© Fotos und Text von Ralf Falbe 04/2017.

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Kategorien:Asien

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